PROJECT IN PROCESS

I KARNALI SIRMA NASCHTIK CHAL O MANUSCH

DEN STACHELDRAHT KANN DER MENSCH NICHT ESSEN

Film und Buch: eine Geschichte/n-Rezepturen-Sammlung.

Das Projekt plant eine Recherche und Dokumentation zur Geschichte der österreichischen Roma und Sinti, re-präsentiert in individuellen Biographien von noch lebenden Romna, die in der Zeit vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten geboren und als Kinder mit ihren Familien in die Konzentrationslager deportiert wurden.

Als Dreh-Ort gewählt werden deren Küchen: inmitten der Arbeit stellen jene Romna, die die Konzentrationslager überlebt haben, die dialektische Beziehung zwischen ihrer eingeschriebenen, erinnerten Geschichte und ihrem heutigen Leben sowie dem der Töchter her.

Das Wichtigste bei den häufigen Familienzusammenkünften ist nach wie vor die traditionelle Essenszubereitung. Das Wissen um diese speziellen Gerichte wird von den alten Romna an die Kinder weitergegeben, eingewoben in die Geschichte/n ihrer  Kindheit. In die Erzählungen an das Zuschauen und Helfen beim Kochen auf dem Rastplatz aus der Zeit als fahrende Großfamilie bricht die Erinnerung an den Verlust dieses Lebens. Nahrungsmittel werden zu Symbolen im Prozess der Erinnerung und Erhaltung des Wissens an die Geschichte des Grauens und des Leids im Nationalsozialismus: zu den Schalen einer Kartoffel gibt es die Geschichte vom Hunger im Konzentrationslager, wo eine einzelne Kartoffelschale zu ergattern schon so viel wert war, und die Erinnerung an den kleinen Bruder, der immer schwächer wurde durch den Mangel an Essen und schließlich im KZ gestorben ist, noch keine 7 Jahre alt. Das Teilen dieser Erinnerungen beim gemeinsamen Kochen stiftet eine  kollektive Identität unter den Beteiligten – den Töchtern, Schwiegertöchtern und Enkeltöchtern. Erschließen soll sich im Projekt über Rezeptesammlung und Zubereitungspräsentationen von traditionellen Gerichten aus der Romani-Küche  die untrennbare Verknüpfung der Historie, den Verfolgungen von Roma und Sinti im Dritten Reich, mit der Alltagskultur, dem Essen.

Entstehen soll ein Dokumentarfilm: die Begleitung der Protagonistinnen in ihrem Tun entlang von ‚Moment–Aufnahmen’, in denen abstrakte Fakten einer Geschichte der Zerstörung zu einer lebendigen Verbindung werden - zwischen damals und heute.

Ein Buch soll die Film-Dokumentation ergänzen, in dem die Gespräche im Film verschriftlicht werden als lebendige ‚Geschichts-Schreibung’, gegebenenfalls erweitert mit Texten aus älteren Interviewaufzeichnungen der Protagonistinnen. Ein anderer Text-Teil schließlich versammelt traditionelle Rezepturen der Romani-Küche, die so, erstmals aufgeschrieben, als Wissensbewahrung den nächsten Generationen der Romna zur Verfügung stehen und anderen, am Kochen Interessierten, auf diese Weise mehr über die Kultur der Roma und Sinti zugänglich gemacht wird.

Wir wählen zwei verschiedene Repräsentationsformen, um die Geschichte/n nachzuzeichnen. Manches kann mit Hilfe von bewegten Bildern ‚anschaulicher’ gemacht, im Buch aber ausführlicher vertieft werden. Vor allem aber sollen Film und Buch korrespondieren, den generationenübergreifenden Diskurs verdichten zwischen den – inzwischen sehr alten – Zeitzeuginnen und jenen Romna, in deren Existenz das erlittene Schicksal der Mütter (und Großmütter) weiterlebt.

Ziel dieses Projekts:

- ein zeitgemäßes Gedenken der NS-Vergangenheit

- Bewahrung der Erinnerung an die fatalen Wirkungen totalitärer Systeme 

- Förderung des alltäglichen interkulturellen Dialogs

- Verwendung als zeitgemäßes Geschichts-Lernmaterial  zum Schicksal der Roma und Sinti in Schulen

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