Diese Vergangenheit ragt in unsere Gegenwart - auch wenn sie verdrängt, verzerrt, geleugnet wird, ist sie gegenwärtig.

Eine Kamera begleitet die mühsame Suche von Marika Schmiedt nach Spuren ihrer ermordeten Großmutter. Ein Filmdokument, das den Massenmord an den Roma im Allgemeinen und das Schicksal ihrer Vorfahren im Besonderen in Erfahrung zu bringen sucht, zeigt die Realität einer jungen Frau, die - wie viele andere auch - ihre Verwandten in der Todesmaschinerie der Nationalsozialisten verloren hat. In Österreich bedeutet dies Bürokratie: 20 verschiedene Ämter, Wartezeiten wegen Kaffeepausen der Beamten, wiederholtes Besuchen  von Ämtern, weil Akten nun doch dort lagern sollen, Verlangen von schriftlichen Absichtserklärungen für die Einsichtnahme in Akten der Angehörigen.        

Video (70min)
Regie: Marika Schmiedt ©2001 ARTBRUT

Dieses Projekt ist meiner Großmutter gewidmet 

Meine Großmutter Amalia Horvath, 1909 in Korneuburg als Kind einer österreichischen Lovara Familie geboren, wurde 1939 in Graz verhaftet und Anfang 1940 in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert. Auf Grund fragmentarisch erhaltener Aufzeichnungen wird angenommen, dass sie 1942 in Bernburg an der Saale ermordet wurde. Die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Bernburg wurde nach dem August 1941 einer der Standorte für die „Sonderbehandlung 14f13“. Die Bezeichnung 14f13 war ein internes Aktenzeichen: 14f stand für den Tod im Konzentrationslager und 13 für den Transport in eine Euthanasie - Anstalt. Die so genannte Sonderbehandlung 14f13 gehörte zu den bestgehüteten Geheimnissen der Nationalsozialisten. Diese Verbrechen sind bis heute weitgehend unbekannt, sie wurden nie wirklich enthüllt, nur in einigen wissenschaftlichen Arbeiten werden sie erwähnt. Die Folgen der nationalsozialistischen Rassenpolitik bekamen auch die Kinder meiner Großmutter zu spüren. Sofie, die Erstgeborene, wurde in die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück deportiert. Sie starb 1953  29-jährig an den Spätfolgen der Lagerhaft. Die Töchter Aloisia und Inge konnten mit Hilfe von Gadjes (Nichtzigeuner), die sie aufnahmen, der Verfolgung entkommen. Auch die damals einjährige Tochter Margit, meine Mutter, überlebte den Holocaust. Unser Leben ist von der Ermordung unserer Angehörigen in der NS - Zeit geprägt.                                        

(Marika Schmiedt)

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